E-Mobilität im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Kowalleck: Autofahren muss für alle bezahlbar sein!

30.06.2022

Die aktuellen Entscheidungen zum zukünftigen Ende der Verbrennungsmotoren in Europa verunsichert auch die Autofahrer im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Insbesondere, da es in der Bevölkerung hinsichtlich der Elektromobilität und der damit verbundenen Ladeinfrastruktur noch zahlreicher Investitionen bedarf.

Der Landtagsabgeordnete Maik Kowalleck nahm die aktuelle Diskussion zum Anlass, um bei der Thüringer Landesregierung nachzufragen, wie der aktuelle Stand beim Ausbau des Ladesäulennetzes und der Förderung von E-Autos in Thüringen und im Landkreis Saalfeld Rudolstadt ist und wie die zukünftigen Pläne sind.

Wie Thüringens Umwelt-Staatssekretär Dr. Burkhard Vogel mitteilte, gebe es momentan im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 49 Ladepunkte, davon 39 Normal- und 10 Schnellladepunkte. An zehn Standorten in Saalfeld (Kulmbacher Straße, Feengrottenweg, Remschützer Straße, 2 x Mittlerer Watzenbach, Albert-Schweitzer-Straße, Grobestraße, Paul-Auerbach-Straße, Kulmstraße, Zum Fuchsturm), an vier Standorten in Rudolstadt (Am Saaldamm, 2 x Albert-Lindner-Straße, Oststraße) und jeweils in Unterwellenborn, Lehesten, Bad Blankenburg, Königsee, Rottenbach, Gräfenthal und Cursdorf kann aktuell elektrisch getankt werden.

Hinzu kommen nicht öffentliche Ladepunkte. Diese wurden jeweils im Zusammenhang mit dem Erwerb eines E-Fahrzeuges gefördert. Ein genauer Standort der Ladesäulen/Wallboxen könne daher nicht angegeben werden. Nach Aussage der Stadtwerke Saalfeld sollen in 2022 zwei Schnellladestationen und in 2023 zwei weitere hinzukommen. Diese Ladepunkte sollen nach aktueller Aussage unter dem Vorbehalt entsprechend verfügbarer Haushaltsmittel über das Förderprogramm E-Mobil Invest gefördert werden. 

686 Elektrofahrzeuge waren mit Stand 1. Januar 2022 auf den Straßen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt unterwegs, davon 317 BEV (Battery Electric Vehicle) und 369 PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle). 

Auf die Frage Kowallecks, welche Investitionen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt notwendig sind, um zukünftig ausreichend Ladepunkte für E-Autos zu schaffen, nennt der Staatssekretär einen Schätzwert von 157 Ladepunkten, die im Landkreis bis 2030 notwendig seien. Dabei sei davon auszugehen, dass 2/3 Normalladepunkte und 1/3 Schnellladepunkte sein werden. Eine Kostenschätzung sei nur unter Vorbehalt möglich und dürfte nach vorliegenden Erhebungen bei einer AC 22 kW Ladestation zwischen 6.500 und 20.500 Euro und bei einer DC 50 kW Landstation zwischen 25.000 und 80.000 Euro liegen, beide Typen mit jeweils zwei Ladepunkten.  Somit würden die geschätzten Kosten zwischen zwei Millionen Euro und 6,3 Millionen Euro für den Ausbau der Ladeinfrastruktur im Landkreis bis zum Jahr 2030 liegen.

 

Auf die Frage, wie viele Ladepunkte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt errichtet werden müssten, um alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Autos zu ersetzen, konnte Staatssekretär Dr. Vogel nicht pauschal antworten. Die notwendige Mobilitätswende beinhalte, auch durch das Angebot von attraktiven Alternativen, eine Reduzierung des Individualverkehrs. Eine 1:1 Ersetzung von Verbrennern mit E-Autos sei somit nicht der Realität entsprechend und führe zu spekulativen Aussagen. Aktuell befände sich der Masterplan Elektromobilität der Bundesregierung in Überarbeitung. Mit der Veröffentlichung sei Ende 2022 zu rechnen. 

Für alternative Lademöglichkeiten im Landkreis Saalfeld/Rudolstadt wie Wasserstoff-Tankstellen seien der Landesregierung aktuell keine konkreten Planungen bekannt. In der Region werde spezifisch das Thema Biomethan betrachtet. Für Thüringen seien Wasserstofftankstellen für den Schwerlastbereich in der Planung. 

„Neben dem Einblick in die Ladeinfrastruktur im Landkreis Saalfeld Rudolstadt wird in der Antwort der Landesregierung allerdings auch klar, dass Theorie und Praxis noch weit voneinander entfernt sind. Wenn einerseits auf europäischer Ebene das Ende der Verbrennungsmotoren beschlossen wird und andererseits die notwendige Ladeinfrastruktur nicht sichergestellt werden kann, dann haben wir in Zukunft ein massives Problem bei der Mobilität. Dazu kommt, dass noch niemand sagen kann, wie der Energiebedarf gedeckt und abgesichert wird. Momentan ist nur sicher, dass sowohl der Sprit, als auch der Strom wesentlich teurer geworden sind und sich die Preisspirale weiterdreht. Daran konnte ein Tankrabatt nicht wirklich etwas ändern. Bei allen Entscheidungen muss aber im Vordergrund stehen: Autofahren muss für alle bezahlbar sein! Das gilt erst recht in unserer ländlichen Region“ so der Saalfeder Abgeordnete Maik Kowalleck.