Kommunale Herausforderung - demografischen Wandel gestalten

Heidecksburger Schlossgespräch der Konrad-Adenauer-Stiftung

05.10.2011

Zum Heidecksburger Schlossgespräch am 5. Oktober 2011, das vom Saalfelder Landtagsabgeordneten Maik Kowalleck in Vertretung seines Kollegen Gerhard Günther moderiert wurde, stand der demographische Wandel und die damit einhergehenden Veränderungen und Herausforderungen im Mittelpunkt der Diskussion.


Maik Kowalleck, Landtagsabgeordneter und zugleich Kommunalpolitiker nahm in seiner Einführung Bezug auf seine eigenen Erfahrungen. Selbst im Saalfelder Stadtteil Gorndorf aufgewachsen, beobachte er intensiv die Veränderungen, die sich dort abzeichnen. Wohnblöcke wurden aufgrund des Weggangs vieler Einwohner im großen Stil zurückgebaut. Es gibt weniger Familien mit Kindern. Der Stadtteil ist aber auch grüner und moderner geworden.
Vor einigen Tagen seien ihm beim 20-jährigen Klassentreffen die Auswirkungen nochmals besonders deutlich geworden. Viele Klassenkameraden seien im Ausland und in andere Bundesländer gezogen. „Wenngleich für unsere Region wenig erfreulich, muss man aber anerkennen, dass seit der friedlichen Revolution jeder die Freiheit hat, sein Leben selbst zu bestimmen. Das heißt eben auch, sich die Freiheit zu nehmen, seinen Lebensmittelpunkt neu zu wählen.“, so Kowalleck. Ihn selbst habe es immer in der Region gehalten. Sicher auch aufgrund der persönlichen beruflichen und familiären Situation.  

Für Maik Kowalleck gibt es keine Patentrezepte, wie man dem demografischen Wandel begegnet. Auf jeden Fall sei es notwendig, sich auf den demografischen Wandel einzustellen und neue Ideen zu entwickeln.

Als positive Beispiele nannte er das städtebauliche Konzept der Grünen Mitte in Saalfeld und die Seniorenresidenzen im ländlichen Raum, z.B. in Probstzella, die es älteren Bürgern ermöglichen, den Lebensabend in ihrer Heimatregion zu verbringen. 

Auch das Bürgermobil Leutenberg sei ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen aus der Region mit neuen Ideen auf aktuelle Lebensumstände reagieren und zugleich ein Beleg für ehrenamtliches Engagement, auch wenn die ein oder andere Hürde noch aus dem Weg zu räumen sei.

Der Demografische Wandel ist in Thüringen kein Phänomen der Zukunft, sondern er zeigt sich in seinen Facetten bereits in vielen Lebensbereichen. Er stellt eine der größten Herausforderungen für den Freistaat dar, da unsere Gesellschaft in ihren elementarsten Bereichen vor tiefgreifende Veränderungen steht - bei den sozialen Sicherungssystemen und der Wirtschaft ebenso wie bei der Frage des Verhältnisses zwischen peripheren Regionen und urbanen Zentren. Vor allem in den ländlichen Gegenden, den einstigen sprudelnden „Quellgebieten“ des Bevölkerungswachstums, wird das sehr deutlich. Dörfer wie auch viele Kleinstädte im Osten Deutschlands sind heute vielfach Paradebeispiele für die gravierenden Einschnitte der demografischen Entwicklung.
In der politischen Diskussion kommen dann unweigerlich Fragen auf: Was will und vor allem was kann der Staat sich hier noch leisten? Bedeutet Transformation in diesen Regionen per se Chancenlosigkeit? Und wie sieht die Zukunft der ländlichen Räume aus: Wüstung oder Wachstum? Auf diese Fragen müssen regionalspezifische Antworten gefunden werden – im Dialog aller Beteiligten.

Die vom Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr gemeinsam mit der Stiftung Schloss Ettersburg gegründete „Serviceagentur Demografischer Wandel“ bietet den Thüringer Kommunen, kommunalpolitischen Akteuren, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden hierfür Hilfestellung und Beratung, um geeignete Lösungen vor Ort zu entwickeln.

Maik Kowalleck zeigte sich erfreut, den Leiter der „Serviceagentur Demografischer Wandel“, Herrn Ministerialdirigent Andreas Minschke, Abteilungsleiter im Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, als Gesprächspartner begrüßen zu könnten.

Minschke informierte über neuere Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung. Danach wird für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bis 2030 ein Bevölkerungsrückgang von 30 Prozent vorausgesagt. Dieser Herausforderung müsse sich die Politik stellen.

In der von ihm geleiteten Serviceagentur werde an Ideen und Projekten gearbeitet. Für das Städtedreieck sei ein Pilotprojekt „zur Gestaltung des demografischen Wandels“ geplant. 

In der anschließenden Diskussion wurden von den Anwesenden zahlreiche Fragen zum Thema aufgeworfen. Schwerpunktthemen waren dabei die Internetversorgung im ländlichen Raum, die medizinische Versorgung und Rückkehr und Verbleib junger Menschen in Thüringen.